Carl-Fuhlrott-Gymnasium
  Eigentlich gehen viele gerne zur Schule

Das Markt- und Trendforschungsinstitut „Ears and Eyes“ hat eine Umfrage mit 1001 Gymnasiasten im Alter von 12 bis 20 Jahren gemacht. Heraus kaum, dass wir doch gerne zur Schule gehen! Man will es nicht recht glauben, doch es ist auch bei den von mir befragten Schülern des Carl-Fuhlrott-Gymnasiums so. Ich sprach mit ihnen über den Schulalltag, Unterricht, eine Gemeinschaftsschule, Eltern und Nebenjobs.

Vor dem Haupteingang des CFGSteffi (16) aus der elften Klasse wagt: „Ich gehe gerne zur Schule, aber nur, um meine Freunde zu treffen. Eine Gemeinschaftsschule (Vorschlag der SPD, bis zur zehnten Klasse) möchte ich nicht haben. Ich bin froh auf einem Gymnasium zu sein, auf dem sich meine Mitschüler meist gesittet benehmen. Für schulische Fragen stehen mir meine Eltern immer zur Verfügung, doch, ob ich lerne oder nicht, bleibt mir überlassen. Ich hätte gerne einen Nebenjob, um etwas Geld zu verdienen, aber überall, wo ich anrufe, sind die Schülerplätze schon vergeben.“ Viele Schüler gehen gerne zur Schule, doch meistens nur, um Freunde zu sehen.

Verena (16), ebenfalls aus der elf, meint: „Eigentlich gehe ich schon gerne hin. Es kommt halt auf die Fächer an, aber die meisten Inhalte oder Unterrichtsthemen finde ich interessant. Nachmittags gebe ich Nachhilfeunterricht, der über unsere Schule organisiert wird, doch ich muss auch viel für die Schule arbeiten!“

Auch Tessa (14) sagt: „Ich brauche den Lernstoff fürs spätere Leben. Ich finde unser jetziges Schulsystem gut und möchte keine geplante Gemeinschaftsschule, weil sicher sehr schnell Konflikte zwischen Schülern unterschiedlicher Intelligenz entstehen können. Im Moment mache ich mehr für die Schule, viel Freizeit habe ich nicht. Meine Eltern unterstützen mich in schulischen Dingen, kontrollieren mich aber nicht! In Sachen Hausaufgaben oder Lernen für Arbeiten hin ich schon seit Jahren auf mich alleine gestellt.“

Schüler müssen ihre Zeit gut einteilen
Ich denke, dass es vielen so geht, dass sie kaum mehr viel Zeit für sich haben. Denn wenn wir Schüler die Schule ernst nehmen, müssen wir doch viel dafür tun, um gute Noten zu bekommen. Hausaufgaben gibt es fast in jedem Fach, jeden Tag. Die lassen sich vielleicht mal verschieben auf einen anderen Tag, sind aber doch immer zeitaufwändig. Auch sonst muss mau viel tun für die einzelnen Fächer oder Arbeiten. Wer dann noch einen ,Nebenjob hat, muss sich wirklich seine Zeit gut einteilen.

Auf dem SchulhofAus der Umfrage von „Ears and Eyes“ geht hervor, dass 58 Prozent der Schüler noch einen Nebenjob nach der Schule ausüben. Das ist ganz schön viel! Auch Pia (15) geht wegen der sozialen Kontakte gerne in die Schule. Zum Schulsystem sagt sie, dass sie nichts zu kritisieren hat. „Aber ich fände es nicht so gut, wenn alle zusammen Unterricht auf einer Schule hätten bis zur zehnten Klasse. Gute Schüler hätten es bestimmt sehr schwer, ihr Talent zu zeigen. Eher schwächere würden allerdings dann vielleicht auch mehr gefördert beziehungsweise mitgerissen werden von den Besseren." Alle Befragten haben Bedenken, was die Idee der Gemeinschaftsschule angeht.

Alle von mir interviewten Schüler der neunten bis elften Jahrgangsstufe arbeiten selbstständig - ohne große Hilfe der Eltern. Tobias (16) aus der elf sagt dazu: „Ich muss mich um die Schule selbst kümmern, es ist ja meine Zukunft."

In der sechsten Klasse ist das Empfinden natürlich meist noch anders. Max (11) erzählt: „Ich gehe zwar gerne zur Schule, weil da meine Freunde sind, aber auch wieder nicht so gerne, weil man so früh aufstehen muss und manche Fächer blöd sind. Ich gehöre zu den ersten, die dieses Jahr schon in der sechsten eine zweite Fremdsprache lernen, dass find ich echt gut. Meine Mutter kontrolliert immer meine Hausaufgaben und hilft mir dabei, wenn ich Unterstützung benötige, hört mir aber auch leider immer die Vokabeln ab."
Auch diese Umfrage zeigt, dass sehr viele Jugendliche gerne die Schule besuchen, obwohl sie dafür viel arbeiten müssen und oft nicht viel Freizeit haben, was aber auch dadurch ausgeglichen wird, dass sie in der Schule viele soziale Kontakte suchen - und auch finden.

Marie Schroer
Westdeutsche Zeitung, 30.09.04
(Marie Schroer ist Schülerin der Stufe 11 des CFG)

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