| "Schön, etwas über die Vergangenheit zu wissen" | ||
"Talwärts": Geschichtskurs des CFG hat einen Film von Schüler für Schüler zum Thema Nationalsozialismus in Wuppertal gedreht. Die Auseinandersetzung mit dem Thema Nationalsozialismus hat am Carl-Fühlrott-Gymnasium (CFG) Tradition: die Religionskurse besuchen seit Jahren Gedenkstätten, es wurde über ehemalige jüdische Schüler recherchiert, Zeitzeugen in die Schule eingeladen und eine kontinuierliche Zusammenarbeit mit der Begegnungsstätte Alte Synagoge begründet. Viel beachtete Ergebnisse waren unter anderem die CFG-Ausstellungen zur Arisierung in Wuppertal oder zur Rettung jüdischer Flüchtlingskinder durch Kindertransporte nach England. Für die Schüler mehr als bloßer Unterricht. Die Art und Weise, wie sie sich am CFG mit dem Nationalsozialismus beschäftigen können, hat über die Klassenzimmer hinaus Interesse geweckt. Beispiel: eine Projektgruppe reiste nach bestandenem Abitur nach Auschwitz.
Über den eigentlichen Unterricht hinaus leisteten die Schüler des Geschichtskurses der Jahrgangsstufe 10 von Lehrer Ulrich Grote 100 freiwillige Arbeitsstunden. An Wochenenden standen sie für die "Drehs" zur Verfügung, das Interesse, bei der Filmcrew dabei zu sein, war so groß, dass das Losverfahren entscheiden musste. Svenja Schütte (16), die zu den fünf Schüler-Akteuren des Films gehört: "Es hat totalen Spaß gemacht. Ich würde gerne Teil 2 drehen." Der 36-minütige Film, mit Mitteln der Wuppertaler "Initiative für Toleranz und Demokratie", des Trägervereins der Begegnungsstätte Alte Synagoge sowie mit Landesmitteln gefördert, ist ein Film im Film. Zum einen zeigt er den Werdegang des Videos und hält damit dem "gängigen" Unterricht den Spiegel vor: Schüler sollen Referate zum Thema Nationalsozialismus erarbeiten. Die Begeisterung hält sich in Grenzen. Doch dann die zündende Idee: Die Schüler beschließen, das Referat in Form eines Films zu gestalten. "Talwärts" zeigt, wie sie die Aufgaben verteilen, sich dem Thema Nationalsozialismus nähern, in Archiven oder im Internet recherchieren, den Film schneiden und ihn in der Klasse zeigen.
Nach monatelanger Vorarbeit wurde "Talwärts" an 13 Tagen mit den Medienpädagogen Stefan Kolbe und Sandra Baturina von der Fachhochschule Düsseldorf abgedreht. Das Wagnis von Lehrer Ulrich Grote ("Das war schon eine ganz andere Dimension") scheint geglückt, wie die Resonanz der Projekt-Teilnehmer beweist: "Ich bin begeistert, dass wir das selbst machen und die NS-Zeit für uns entdecken konnten", meint Antonia Hungerland (16). eine der drei Akteurinnen des Films. Nach der gestrigen Premiere geht "Talwärts" jetzt auf die Reise. Nicht in die Kinos, sondern in die Klassenzimmer aller weiterführenden Schulen Wuppertals. Zudem wird der Film im Medienzentrum, in der Stadtbibliothek sowie in der Begegnungsstätte ausleihbar sein. Schließlich ist der CFG-Film kein Selbstzweck: "Andere Schüler sollen merken, dass ganz normale Schüler den Film gemacht haben", sagt Anna Fricke (16). Die Botschaft des Films an die Altersgenossen: "Das könnt ihr auch." Denn: "Es ist doch schön, etwas über die Vergangenheit zu wissen", so die 16-Jährige. Cronenberger Woche, 11.01.02 |
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