Erst erobern sie einen
ungewöhnlichen Preis, nun kämpfen die Schüler um eine Sternwarte
auf dem Schuldach
„Die Schüler könnte ich auch nachts wecken, dann würden
die kommen." Lehrer Michael Winkhaus hat keinen Zweifel an der Faszinationskraft
der Astronomie. Ein Lohn: Am Mittwoch wird die Astronomie-AG
des Carl-Fuhlrott-Gymnasiums in Frankfurt mit dem Samuel-Thomas-von Soemmerring-Preis
ausgezeichnet. Damit geht dieser Preis des Deutschen Physikalischen Vereins
(vergeben für hervorragende astronomische Arbeiten) erstmals an eine
Schule.
Die Leistung der Schüler der Jahrgangsstufen 9 bis 11: Alexander
Blinne, Tobias Schmidt, Jonas Harz, Philip Richert, Thomas und Matthäus
Dzwonek, Jessica Kugeler, Sophia Haude, Dominik Graeser und Manuel Fleuss
erhalten die 750 Euro Preisgeld für ihr so genanntes "Flatterbandhenge"
auf der Halde Hoheward.
Dort haben sie nach Vorbild von Stonehenge und Goseck ein Horizontobservatorium
nachgebaut. Eines, das einen 36 Meter großen Kreis umschließt,
aus Holzpflöcken und Flatterband besteht und mit zwei Zugangswegen
(Prozessionsstraßen) ausgestattet ist. Diese Zugänge markieren
dabei die Sonnenuntergangsorte am längsten sowie am kürzesten
Tag des Jahres. Für die exakte Platzierung dieser Markierungen bedarf
es astronomischer Messungen im Bodenminutenbereich; so dass die Sonne
exakt durch ein eigens für den Bautag aufgestelltes Sonnenloch unterging.
Nachdem die AG-Mitglieder das Projekt bereits mehrfach fachmännisch
erläutert haben und ein Schüler dafür sogar ein einwöchiges
Seminar in Berlin zur Belohnung erhalten hat, werden sie das auch am Mittwoch
noch einmal tun. Lehrer Michael Winkhaus ist dabei in der Szene kein Unbekannter.
Im Jahr 2001 erhielt er auf europäischer Ebene den Neunann-Preis.
Seine AG war auch die bundesweit erste Schülergruppe, die eine ganze
Woche lang von einer zur Uni Bonn gehörenden Sternwarte in der Eifel
beobachten durfte.
Gut möglich, dass der Soemmerring-Preis einen Wendepunkt am CFG darstellt.
Denn die 750 Euro werden reinvestiert, sollen mit dazu dienen, auf dem
Dach der Schule mehrere Teleskope auf Säulen aufzustellen. Besonderheit:
Die Gerätschaft soll in kleinen Wetterhütten untergebracht sein
- und bei diesem Projekt sollen mehrere Schüler gleichzeitig astronomische
Beobachtungen durchführen können Winkhaus und Schulleiter Karl
W. Schröder wollen die Sternwarte außerdem für die Öffentlichkeit
zugänglich machen und einmal monatlich entsprechende Veranstaltungen
durchführen.
Wegen der Finanzierung gibt es bereits Überlegungen zum so genannten
Projekt "Sonne und
Sterne". Das heißt: Mit Gewinnen aus der noch zu installierenden
10-Kilowatt-Photovoltaikanlage
könnte man einen Finanzierungsanfang leisten, braucht aber wohl auch
Sponsoren.
Die Lage auf dem Dach des CFG jedenfalls gilt als erstklassig: Alle Horizonte
sind frei, am Südhorizont ist es dunkel und kein Fluss sorgt hier
für Dunstglocken.
Westdeutsche Zeitung, 25.06.05
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