Unter
der Überschrift, "Lehrer der Zukunft - Pädagogen proben
den Wandel: Wie Schulen sich erneuern", berichtete die Hamburger
Wochenzeitung "Die Zeit" in ihrer Ausgabe vom 02.12.1999 ausführlich
über einen Schulbesuch am Carl Fuhlrott Gymnasium. Der Redakteur
der 'Zeit', Martin Spiewak, war für eine Woche zu
Gast im Lehrerzimmer. Der Zeit-Fotograf Hartmut Nägele schoss an
mehreren Tagen über 1000 Fotos. Auf Bitten der Bezirksregierung hatte
sich unsere Schule bereit erklärt, der Zeit-Redaktion umfassenden
Einblick in die Arbeit eines Lehrerkollegiums zu geben. Der Journalist
Spiewak nahm an Lehrerkonferenzen und Dienstbesprechungen
teil, führte in den Pausen zahlreiche Gespräche und besuchte
den Unterricht.
Deutsche Pädagogen proben den Wandel. Ein
Schulbesuch in Wuppertal von Martin Spiewak
Am Anfang steht eine Frage, die mehr sagt als jede Antwort. Ob der Reporter
denn freiwillig da sei, erkundigt sich die Biologielehrerin. Oder ob die
Kollegen in der Zeitung ihn vielleicht "zum Thema verdonnert"
hätten? Eine Woche in einem Lehrerzimmer in einer Wuppertaler Schule
herumsitzen; die Vormittage mit knapp hundert Lehrern verbringen, die
immer so viel redeten und stets klagten; diesen Berufsstand "so in
der Masse zu erleben", das tue sich doch wohl niemand aus freien
Stücken an, vermutet die Lehrerin. In ihrem Bekanntenkreis heiße
es immer: Ein Lehrer reicht. "Ist doch so, oder?"
Die
Randgruppe
Um die Gemütslage deutscher Schulmeister steht es nicht zum Besten.
In Zeugnisdeutsch ausgedrückt: Seelenzustand gerade ausreichend.
Die Medien picken sich die berüchtigsten Exemplare der Zunft heraus
und fotografieren sie beim Dauerkuren auf Sylt. Die Politiker beschimpfen
sie als "faule Säcke" oder "faule Hunde", denen
man es nicht erlauben dürfe, "vor und nach den Ferien nichts
mehr zu tun". Eltern prügeln sie für Unterrichtsausfall.
Die Wirtschaft macht sie für das mäßige Abschneiden deutscher
Schüler bei internationalen Leistungsvergleichen verantwortlich.
Vor kurzem sah sich das Schulministerium in Schleswig-Holstein gezwungen,
den Verleumdeten beizuspringen. Plakate zwischen Flensburg und Neumünster
zeigten idyllische Unterrichtsszenen, darunter den Spruch "Gute Leute
machen Schule - Unsere Lehrerinnen und Lehrer". Eine Imagekampagne
wie für eine diskriminierte Randgruppe.
Das Bild
Seit einiger Zeit hängt im Sekretariat der Schule ein Bild. Die Sekretärinnen
mussten sich erst an das Kunstwerk gewöhnen. Der alte Stich mit dem
barocken Goldrand will so gar nicht zu der Beton-Glas-und-Stahl-Architektur
des Schulgebäudes passen. Das Porträt zeigt einen Gelehrten
mit weißem Bart. Der berühmte Neandertaler-Forscher gab der
Schule ihren Namen: Carl-Fuhlrott-Gymnasium. Schulleiter Karl Schröder
hatte das Gemälde im Fundus entdeckt, wo es jahrzehntelang unbeachtet
herumlag.
"Geschichte ist wichtig für eine Schule", sagt Schröder.
Sie diene als Baustein für die Corporate Identity der Schule, als
Unterscheidungsmerkmal im Wettbewerb mit anderen Gymnasien in Wuppertal.
Die Kollegen von der Realschule gleich nebenan fanden die Idee so überzeugend,
dass auch sie sich unter den berühmten Wuppertalern auf die Suche
machten. Sie stießen auf Carl Bayer. Zwar war auch Friedrich Engels
als Namenspate im Gespräch. Den meisten jedoch schien der Name des
Chemiefirmengründers irgendwie zeitgemäßer - und spendenträchtiger.
Vorbei die Tage, als Lehrer nur lehren mussten. Heute werben sie Sponsoren
und denken über das Image ihrer Schule nach. Deutsch ist noch Deutsch,
Mathematik noch Mathematik. Doch das reicht nicht mehr. Schon heute steht
Nachhilfe in Sozialverhalten ebenso auf dem ungeschriebenen Lehrplan wie
der Fitnesskurs für den Arbeitsmarkt. Der Lehrer der Zukunft ist
Manager, Sozialarbeiter und Jobberater, mehr Lerntrainer als Stoffvermittler.
Diese Aufgaben kann man nur im Team bewältigen. Die Zeit der Einzelkämpfer
ist vorbei.
Noch ist vieles Zukunftsgeraune. Doch die deutsche Schullandschaft ist
- mal aus Eigeninitiative, mal auf Druck von oben - in Bewegung geraten.
Und der Lehrerberuf ändert sich stärker, als frühere ideologische
Kämpfe über richtige Schulformen und falsche Erziehungskonzepte
ahnen ließen. Wer sich in deutschen Lehrerzimmern umhört, dem
schlägt eine Mischung entgegen aus neu erwachtem Gestaltungswillen
und Resignation, zögerlichem Aufbruch und passivem Widerstand.
Lufthoheit im Lehrerzimmer
Fast zehn Jahre hatte die Religionslehrerin eine Auszeit zur Kindererziehung
genommen. Als sie ging, sei die Stimmung träge gewesen, erinnert
sie sich. Das einmal Erreichte - ein Schüleraustausch mit Frankreich,
eine Reihe von Arbeitsgruppen - war den meisten genug. Neue Ideen wurden
ignoriert. Der Wunsch, in die Klassenarbeiten eines Kollegen zu schauen,
galt als Affront. Das Carl-Fuhlrott-Gymnasium, eine Wuppertaler Traditionsschule,
war ins Mittelmaß abgesackt. Und die Schülerzahlen rutschten
in den Keller.
Vergangenheit, vorbei. Als die Lehrerin ihre alte Schule vor kurzem wieder
besuchte, traf sie auf ein "völlig verändertes Bild".
Plötzlich gibt es Fortbildungen in der Schule. Lehrer überlegen
sich gemeinsam neue Unterrichtsmodelle. "Wer sich früher über
das Nötigste hinaus engagierte, wurde schief angeschaut." Heute
haben die Reformer die Lufthoheit im Lehrerzimmer. Die Skeptiker haben
sich in Richtung kleines Lehrerzimmer zurückgezogen. Dort darf man
rauchen, dort regiert noch das alte Sitzprinzip. Jeder hat seinen mit
Büchern markierten festen Platz. Im großen Lehrerzimmer dagegen
setzt sich meist jeder dahin, wo ein Stuhl frei ist. Ein Symbol, in dem
sich der Geist des Kollegiums spiegelt.
Dabei seien die Kollegen, sagt die Religionslehrerin, fast dieselben wie
früher. Nur die Bärte sind jetzt grau und die Gesichter um zehn
Jahre älter. Einige Lehrer könnten die Großeltern ihrer
Schüler sein. Dennoch: Alter muss nicht automatisch Stillstand heißen.
Im Gegenteil: Die heutige Stimmung im Kollegium sei "wie umgedreht",
befindet die Zurückgekehrte. Die Schule gewinnt an Prestige. In diesem
Jahr konnte das Gymnasium die meisten Anmeldungen in Wuppertal verzeichnen.
Der unsichtbare Gast
Sie ist überall. Ob im Lehrerzimmer oder auf dem Gang in der Pause
zwischen zwei Unterrichtsstunden. Sie sitzt mit am Tisch, wenn sich die
Referendare am Carl-Fuhlrott-Gymnasium zu ihrer Sitzung treffen oder die
Schulleitung zur Strategiesitzung zusammenkommt. Selbst zu Hause, wenn
gerade die letzte Klassenarbeit korrigiert ist, schleicht sie sich in
die Gespräche am Feierabend.
Schulministerin Gabriele Behler hat zwar das Carl-Fuhlrott-Gymnasium noch
nie besucht. Doch ihre Worte und Weisungen, Ermahnungen und Erlasse sind
im Alltag der Lehrer allgegenwärtig. Ob sie anordnet, alle Abiturklausuren
nachzukorrigieren, die Schulen heute zu mehr Eigenverantwortung ermutigt
oder morgen fordert, Schulfeste mögen doch bitte schön am Wochenende
abgehalten werden: Als ungeladener Gast ist Behler stets präsent.
In Hamburg heißt der ungebetene Gast Rosemarie Raab, in Baden-Württemberg
Annette Schavan. Das Muster ist überall dasselbe. Kaum eine andere
Berufsgruppe hat ein so enges Verhältnis zu einem Minister wie die
Lehrer. Meist ist es gestört.
Inzwischen ist das Klima vielerorts derart vergiftet, dass von jeder neuen
Verordnung das Schlimmste befürchtet wird - auch wenn die Neuerung
"im Prinzip so schlecht" gar nicht ist. Unbeteiligte Beobachter
fühlen sich an Radio Jerewan erinnert. "Im Prinzip" sei
es sinnvoll, eine Abiturklausur von einem Lehrer aus einer anderen Schule
erneut bewerten zu lassen, sagen auch die Lehrer am Carl-Fuhlrott-Gymnasium.
Schließlich sei es schlimm, wie sehr sich die Leistungsniveaus zwischen
den Schulen unterscheiden. Aber was geschieht mit den armen Lehrern, die
zu gute Noten geben? Sollen sie etwa bestraft werden?
Oder der Versuch, die Ziele in einem Schulprogramm für die nächsten
Jahre festzuschreiben - auch das "im Prinzip" eine gute Sache.
Aber was passiert, wenn die Ziele nicht erreicht werden?
Die Abwehrhaltung der Lehrer hat viele Gründe: falsche Solidarität
mit unbeweglichen Kollegen; die Überzeugung, qua Berufseintrittsjahr
(anno 68ff.) für alle Ewigkeit ein Reformer zu sein, eine generelle
Abwehr gegenüber der Welt außerhalb der Schulmauern. Der Hang
zum Autismus gehört zu den professionellen Deformationen des Lehrers.
Ständig müssen sie Recht haben. Ihr ganzes Berufsleben lang
geben sie anderen Menschen Noten. Sie stehen stets im Mittelpunkt und
sind es gewöhnt, dass alle zuhören. Sie selbst dagegen bekommen
kaum Kritik und noch seltener Lob zu hören und wenn, dann richten
sich solche Urteile nur an "die Lehrer". "Das schlägt
auf den Charakter", sagt der Physiklehrer.
Kein Wunder, dass viele Schulmeister bei ihren Mitmenschen als verhaltensauffällig
gelten. Diese professionelle Deformation und der Neid auf die langen Ferien
belasten das Verhältnis der Lehrer zu ihrer Umwelt von jeher. Seit
einiger Zeit aber hat sich der Ton bedenklich verschärft.
Die Politiker wiederum fühlen sich unter Druck und zum Handeln getrieben.
Denn Schulpolitik ist wieder ein Thema. Jeder neue Minister präsentiert
ein eigenes Reformkonzept. Vieles kommt zu schnell, klagen die Lehrer,
ist unausgegoren, zu widersprüchlich - und stets hören sie den
Unterton heraus: Euch werden wir es zeigen.
Rituale
Bevor der Kunstunterricht beginnt, müssen sich die Schüler in
gebührendem Abstand zur Tür aufstellen. Das erinnert an alte
Zeiten oder an Schulen in Asien. Erst wenn die Kinder ruhig sind, dürfen
sie den Zeichenraum betreten. Hier hat die Lehrerin bereits Pinsel und
Papier auf jeden Platz verteilt. Früher durften sich die Kinder die
Sachen vorne selbst abholen. Doch heute würde das im Chaos enden,
sagt die Kunstlehrerin. 61 Jahre ist sie, seit 30 Jahren dabei. "Vieles
kann ich heute nicht mehr machen", sagt sie. Zahlreiche Kinder seien
"visuelle Analphabeten". Ein Mann sei für sie ein Mann,
egal, ob das Bild einen barock gemalten Soldaten zeige oder die Werbefotografie
eines männlichen Modells. Zudem müsse sie den Unterricht in
immer kleinere Portionen aufteilen. "Sonst verlieren die Schüler
die Lust."
Ungeduldiger seien die Kinder geworden und aggressiver. Sie könnten
sich schlechter konzentrieren, die Lieblingsvokabel heiße "ich".
Gleichzeitig suchten sie mehr Bestätigung und Zuwendung. Fast alle
Lehrer, die seit mehr als zehn Jahren dabei sind, bestätigen diese
Beobachtung: Die Schüler hätten sich verändert. Nun ist
das Carl-Fuhlrott-Gymnasium alles andere als eine Schule im sozialen Brennpunkt.
Die Kinder sind der deutschen Sprache mächtig. Waffenkontrollen am
Eingang sind überflüssig. Wenn Drogen Probleme bereiten, sind
es Zigaretten. "Gute Voraussetzungen für eine gute Schule",
so der Direktor.
Und dennoch, auch hier spürt man den Wandel deutlich. Früher,
sagt ein Klassenlehrer, seien es lediglich einzelne Kinder gewesen, denen
es an Sozialverhalten mangelte. "Heute kippen immer wieder ganze
Klassen um." Wie seine Kollegin aus dem Kunstunterricht setzt er
auf alte Regeln und neue Rituale.
Dabei funktionieren diejenigen Normen am besten, die sich die Schüler
selbst geben. Einige Klassen haben sich zusammengesetzt und die Grundsätze,
wie sie miteinander umgehen wollen, schriftlich festgehalten. "Den
anderen beim Reden nicht unterbrechen", "Während des Unterrichts
nicht essen". Alte Bekannte, neu formuliert. Verstößt
ein Schüler gegen den Konsens, schreitet nicht der Lehrer ein, sondern
die ganze Klasse. Wenn es jemandem zu laut wird, hebt er die rechte Hand.
Wer das Zeichen sieht, tut das Gleiche, bis wieder Ruhe eingekehrt ist.
Früher sei er "viel liberaler" gewesen, habe mehr geduldet
und mehr geredet, sagt der Klassenlehrer. Heute sage er sich: "Weniger
Sabbelei, mehr Grenzen setzen."
Späte Liebe
Times Roman oder Arial oder vielleicht doch Courier? Halb acht Uhr abends
in der Bibliothek, die "Arbeitsgruppe Schulprogramm" diskutiert
über Schrifttypen. Die wichtigeren Debatten hat sie hinter sich.
Bis zum nächsten Jahr müssen alle Schulen in Nordrhein-Westfalen
sowie in anderen Bundesländern ein "Schulprogramm" vorlegen,
eine Art Geschäftsbericht mit Zielplanung. Viele Lehrerkollegien
halten das für eine Schikane der Politik. Deren Direktoren werden
sich wohl zwischen Weihnachten und Neujahr hinsetzen und ein paar Allgemeinheiten
für die Schulbehörde formulieren.
Am Carl-Fuhlrott-Gymnasium ging man die Sache anders an. Expertenreferate
und Klausurtagungen, Gespräche mit Eltern: Seit vier Jahren steht
das Schulprogramm auf der Tagesordnung. Die Lehrer debattierten den "Sinn
gymnasialer Bildung heute", fragten, was man den Schülern neben
gutem Unterricht noch mit auf den Weg geben muss.
Revolutionäre Einsichten sucht man im Schulprogramm vergeblich. Doch
die Debatten über die Stärken und Schwächen der Schule
haben den Anstoß für Dutzende Veränderungen am Gymnasium
gegeben. Lehrer begannen sich für die Arbeit ihrer Kollegen zu interessieren
und besuchten sich wechselseitig in ihren Klassen im Unterricht. Klassenübergreifend
überlegte man, wie sich der Deutsch- oder Physikunterricht interessanter
gestalten ließe.
Fünfzig Jahre alt sei er jetzt, sinniert ein Gemeinschaftskundelehrer:
"Die Alternative zum Schulprogramm wäre, noch 15 Jahre weiterzumachen
wie bisher und auf die Pension zu warten." Das war ihm dann doch
zu lang. Lieber noch einmal vieles infrage stellen, und alles besser machen
wollen. Der pädagogische Eros ist neu entfacht. Eine späte Liebe,
die so manchem Lehrer gut tut. Doch ohne zusätzliche Arbeit geht
das nicht.
Tamagotchi
Irgendwann im vergangenen Jahr rief beim Schulleiter des Carl-Fuhlrott-Gymnasiums
das japanische Fernsehen an. Man wollte einen Beitrag drehen. So ein vergnügliches
Stück über den "Lehrer-Tamagotchi". Mit diesem Gerät,
einer Art Minutenzähler, hatte das Schulministerium in Nordrhein-Westfalen
die Pädagogen in einigen Schulen ausgestattet. Es wollte herausfinden,
ob die Lehrer des Landes genug arbeiten. Jeder Lehrer musste seine Arbeitszeiten
genau notieren und zur Kontrolle bei jeder Tätigkeit alle 20 Minuten
den Tamagotchi drücken.
Die japanischen Journalisten fanden das ausgesprochen lustig. In ihrem
Land begegnet man Lehrern mit Respekt, ja Ehrfurcht. Niemand würde
es wagen, auch nur zu fragen, ob die Schulmeister der Nation vielleicht
zu wenig tun für ihr Geld. Zumal jeder Japaner weiß, dass sie
trotz mäßiger Bezahlung bis zur Erschöpfung arbeiten.
In Deutschland liegen die Dinge da etwas anders.
Aus dem Bericht wurde nichts, was schade war. Denn die Untersuchung brachte
interessante Ergebnisse zutage. Zum Beispiel: Im Schnitt arbeiten die
Lehrer jede Woche ein paar Stunden mehr als andere Beamte - also angemessen
für ihr Gehalt. Gleichzeitig fiel jedoch auf, wie unterschiedlich
die Arbeit verteilt war. Klassenlehrer, die sich nebenbei noch in der
Fortbildung engagieren oder um die Referendare kümmern, kommen im
Schnitt auf eine 50-Stunden-Woche - die zwölf Wochen Ferien miteingerechnet.
Andere Kollegen dagegen haben praktisch die 35-Stunden-Woche verwirklicht.
Die Folgen der Arbeitszeituntersuchung stehen noch aus. Doch die Richtung
scheint klar: Das mehr als hundert Jahre alte Modell, das nur die Unterrichtsstunden
misst und alle Fächer gleich behandelt, wird irgendwann fallen. Stattdessen
werden die Unterrichtsfächer gewichtet. Wer nur Sport gibt, muss
dann vielleicht 30 Stunden unterrichten. Deutschlehrer, die viele Klausuren
zu korrigieren haben, nur 20 Stunden. Zudem werden sämtliche Aufgaben,
die die Lehrer in der Schule leisten, auf die Arbeitszeit angerechnet.
Ein Stück Gerechtigkeit im Lehrerzimmer.
Die Aufwärtsspirale
In fast jeder Schule stehen sich Reformer und Bremser gegenüber -
und die große Gruppe der Indifferenten daneben. Wer den Konflikt
am Ende gewinnt, hängt wie in der Politik von den Mehrheiten ab -
und von der Überzeugungskraft der Regierung, die in diesem Fall Schulleitung
heißt. Am Carl-Fuhlrott-Gymnasium sei sie offen, aber entscheidungsfreudig,
sagen die Lehrer. Anders als sein Vorgänger bunkere der jetzige Schulleiter
sich nicht im Direktorenzimmer ein. Er habe gute Personalpolitik betrieben
und die richtigen Leute an die richtigen Stellen gesetzt - auch wenn sie
vom Dienstalter her für eine Beförderung noch nicht vorgesehen
waren.
Zudem nutzt er jede kleine Freiheit, die ihm die Schulbehörde einräumt.
Bis vor kurzem wurden beispielsweise die Lehrer von der Schulbehörde
zugeteilt. Seit einiger Zeit dürfen die Schulen in Nordrhein-Westfalen
einen Teil ihres Kollegiums selbst aussuchen. Eine Aufwärtsspirale
kommt in Gang: Engagierte Lehrer sorgen für ein gutes Image und steigende
Schülerzahlen, was wiederum neue Lehrer an die Schule bringt. Wie
sagte der Dortmunder Erziehungswissenschaftler Hans Günter Rolff:
"Die Lehrer sind nicht das Problem, sondern die einzige Chance, um
die Schule zu verbessern." Langsam beginnt sich das herumzusprechen.
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